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Wenn Sie immer die Antwort haben, sind Sie Teil des Problems

3. Juli
11 Min. Lesezeit

Vom Abschlusshelden zum Teamentwickler

By Markus Hesse, CEO – Hesse Consulting Group

Superhero Boss

Wahrscheinlich sind Sie deshalb Vertriebsleiter geworden, weil Sie vorher ein erfolgreicher Verkäufer waren.


Sie konnten Kunden schnell einschätzen. Sie haben Opportunities konsequent vorangetrieben. Schwierige Gespräche haben Sie nicht gescheut. Sie wussten, wann Sie zuhören mussten, wann Sie den Kunden herausfordern konnten und wann der richtige Zeitpunkt für den Abschluss war.


Diese Erfahrung ist wertvoll. Daran besteht kein Zweifel. Doch genau darin liegt auch die Herausforderung: Die Stärken, die Sie zu einem erfolgreichen Verkäufer gemacht haben, können Sie als Vertriebsleiter ausbremsen.


Wenn Sie immer die Person sind, die zum entscheidenden Kundentermin mitkommt, das Angebot überarbeitet, die Preisverhandlung übernimmt, die Value Story korrigiert oder den Auftrag in letzter Minute rettet, fühlen Sie sich wahrscheinlich unverzichtbar. Vielleicht sind Sie das sogar. Doch gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Sie keine leistungsstärkere Vertriebsmannschaft aufbauen – sondern Abhängigkeit schaffen.


Ihre wichtigste Aufgabe ist nicht mehr, selbst zu verkaufen, sondern die Leistung Ihres Teams nachhaltig zu steigern. Dieser Rollenwechsel fällt vielen schwer. Und viele Unternehmen unterschätzen, wie groß dieser Schritt tatsächlich ist. Er bedeutet, sich vom Verkäufer zum Coach zu entwickeln.Vom Problemlöser zum Entwickler von Menschen. Vom Antwortengeber zum Förderer von Urteilsvermögen.


Gerade im Value-Based Selling ist dieser Wandel unverzichtbar. Denn Ihre Mitarbeitenden werden nicht besser darin, Kundennutzen zu verkaufen, weil Sie ihnen sagen, was sie sagen sollen. Sie werden besser, wenn Sie lernen, anders über ihre Kunden nachzudenken.


Ihre wichtigste Aufgabe ist es, die Leistungsfähigkeit Ihres Teams zu steigern

Als Vertriebsleiter wird Ihr Erfolg nicht mehr nur daran gemessen, welche Abschlüsse Sie persönlich unterstützen. Natürlich zählen Umsatz, Forecast, Pipeline und Zielerreichung. Niemand stellt das infrage. Vertrieb ist schließlich keine Selbsthilfegruppe mit Quartalszielen. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wird Ihr Team auch ohne Sie jeden Monat besser? Genau das unterscheidet gute Vertriebsleiter von hervorragenden.


Ein starker Vertriebsleiter kontrolliert nicht nur Aktivitäten, prüft Forecasts und springt bei schwierigen Opportunities ein. Er entwickelt die Fähigkeiten seines Teams.


Er hilft seinen Team, das Geschäft ihrer Kunden besser zu verstehen, Kundengespräche professioneller vorzubereiten, bessere Fragen zu stellen, den Kundennutzen klarer herauszuarbeiten, Stakeholder gezielter einzubinden, Risiken frühzeitig zu erkennen und Kaufentscheidungen besser zu verstehen.


Das bedeutet, sich als Führungskraft andere Fragen zu stellen:


  • Wie unterstütze ich mein Team dabei, die geschäftlichen Herausforderungen und Prioritäten des Kunden zu verstehen – und nicht nur unsere Lösung?

  • Wie erhöhe ich die Qualität des nächsten Kundengesprächs?

  • Wie unterstütze ich mein Team dabei, Mehrwert aus der Perspektive der jeweiligen Stakeholder zu schaffen – statt lediglich Produkteigenschaften zu präsentieren?

  • Wie entwickle ich Verhaltensweisen und Arbeitsweisen, die im gesamten Team dauerhaft funktionieren?

  • Wie entwickle ich Top-Performer weiter, ohne sie zu stark zu kontrollieren?

  • Wie unterstütze ich leistungsschwächere Mitarbeitende, ohne ihnen ihre Arbeit abzunehmen?


Es geht nicht nur darum, den nächsten Auftrag zu gewinnen. Es geht darum, Ihre Mitarbeitenden dabei zu unterstützen, dauerhaft erfolgreicher zu verkaufen.


Coachen Sie nicht nur die Mitarbeitenden mit Leistungsproblemen

Viele Vertriebsleiter verbringen den Großteil ihrer Coaching-Zeit mit den leistungsschwächsten Mitarbeitenden.


Das ist verständlich. Minderleistung ist sichtbar, schmerzhaft und dringend. Wenn jemand seine Ziele verfehlt, Opportunities nicht voranbringt oder sich im Kundengespräch schwertut, richtet sich die Aufmerksamkeit ganz automatisch auf diese Person. Doch wenn Sie ausschließlich die Mitarbeitenden coachen, die Schwierigkeiten haben, betreiben Sie eine Reparaturwerkstatt – keine Performance-Kultur. Leistungsschwächere Mitarbeitende brauchen Coaching. Sie brauchen Struktur, Klarheit, Feedback und Unterstützung. Sie müssen verstehen, wie gute Leistung aussieht, wo ihre Defizite liegen und welches Verhalten sie verändern müssen. Aber auch Ihre soliden Leistungsträger und Top-Performer brauchen Coaching.


Woman Sales Manager

Top-Performer erzielen vielleicht hervorragende Ergebnisse. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie ihr volles Potenzial ausschöpfen. Vielleicht verlassen sie sich zu sehr auf ihr Bauchgefühl. Vielleicht gewinnen sie Aufträge eher durch ihre Persönlichkeit als durch ein systematisches Vorgehen. Vielleicht pflegen sie hervorragende Kundenbeziehungen, schöpfen das Potenzial ihrer Accounts aber nicht vollständig aus. Vielleicht gewinnen sie Abschlüsse und lassen dabei trotzdem Wertschöpfungspotenzial auf dem Tisch liegen.


Verwechseln Sie gute Leistung nicht mit ausgeschöpftem Potenzial

Ihre Aufgabe besteht nicht darin, aus allen den gleichen Verkäufertyp zu machen. Ihre Aufgabe ist es, jede einzelne Person dabei zu unterstützen, sich von ihrem heutigen Leistungsniveau aus weiterzuentwickeln. Bei leistungsschwächeren Mitarbeitenden kann das bedeuten, die Vorbereitung zu verbessern, bessere Fragen zu stellen, Opportunities sauberer zu qualifizieren und konsequenter nachzufassen.


Bei soliden Performern geht es möglicherweise um eine bessere Opportunity-Strategie, ein fundierteres Stakeholder-Mapping oder eine überzeugendere Nutzenargumentation.


Bei Top-Performern stehen vielleicht Gespräche auf Executive-Ebene, die strategische Weiterentwicklung von Key Accounts, der Ausbau ihres Einflusses im Unternehmen oder die Frage im Vordergrund, wie andere von ihren Erfolgsstrategien lernen können.


Wenn Sie nur Probleme coachen, werden Sie zum Feuerwehrmann.


Wenn Sie Potenzial coachen, werden Sie zum Multiplikator.


Value-based Selling braucht besseres Coaching

Value-Based Selling setzt die Messlatte für Ihr Vertriebsteam höher. Es reicht nicht aus, dass Ihre Mitarbeitenden ihr Produkt kennen, eine allgemeine Value Proposition präsentieren und auf Kundenanforderungen reagieren. Sie müssen die Geschäftssituation des Kunden verstehen, Werttreiber identifizieren, bestehende Annahmen hinterfragen, ihre Lösung mit messbaren Geschäftsergebnissen verknüpfen und den Kunden dabei unterstützen, bessere Entscheidungen zu treffen. Dafür braucht es mehr als Verkaufstechniken. Es braucht unternehmerisches Denken. Und genau dieses Denken entsteht durch Coaching.


Ein Verkäufer kennt vielleicht die offizielle Value Proposition. Aber kann er sie auf die konkrete Situation des Kunden übertragen?


Kann er den Zusammenhang zwischen seiner Lösung und Kosten, Risiken, Aufwand, Kundenerlebnis oder den Geschäftszielen des Kunden herstellen?


Kann er unterschiedliche Stakeholder in der Sprache ihrer jeweiligen Prioritäten ansprechen?


Kann er den Schritt schaffen von: “Das bieten wir Ihnen an.” Zu “So unterstützen wir Sie dabei, Ihre Prioritäten erfolgreich umzusetzen.”


Genau hier liegt Ihr größter Hebel als Vertriebsleiter. Nicht darin, Ihrem Team die perfekte Formulierung vorzugeben. Nicht darin, jedes Angebot selbst zu überarbeiten. Und auch nicht darin, bei jedem wichtigen Kundentermin einzuspringen, um zu zeigen, “wie man es richtig macht”. Ihr größter Hebel besteht darin, die Denkweise hinter dem Verkaufsprozess zu coachen.


Fragen Sie Ihre Mitarbeitenden vor einem Kundengespräch:


  • Welche aktuellen Herausforderungen oder Bedürfnisse hat der Kunde?

  • Warum hat dieses Thema für den Kunden gerade jetzt Priorität?

  • Wer ist auf Kundenseite an der Entscheidung beteiligt?

  • Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner und wie schaffen wir einen überzeugenden Anlass für ein Gespräch?

  • Was müsste passieren, damit der Kunde seinen bisherigen Ansatz verändert?


Fragen Sie nach dem Kundengespräch:


  • Was haben wir gelernt?

  • Welche Annahmen haben wir getroffen?

  • Welchen Nutzen hat der Kunde bestätigt oder erkannt?

  • Welche Fragen sind noch offen geblieben?

  • Was sollte als Nächstes passieren?

  • Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?


So wird Value-Based Selling zu mehr als einer Präsentation, einer Methodik oder einem Training.


Sales Manager reviewing work

Ratschläge sind nicht dasselbe wie Coaching

Vielleicht glauben Sie, dass Sie coachen, obwohl Sie in Wirklichkeit Ratschläge geben. Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Manchmal braucht Ihr Team Ihre Erfahrung. Manchmal braucht es eine klare Empfehlung. Manchmal braucht es eine eindeutige Richtung. Wenn Ihr Standardmodus jedoch darin besteht, immer sofort einen Rat zu geben, lernt Ihr Team vor allem eines: Auf Ihre Antwort zu warten.


Das ist gefährlich. Ratschläge klingen zum Beispiel so:


„Ich würde das so machen.“

„Stellen Sie den Business Case stärker in den Vordergrund.“

„Fragen Sie nach dem Budget.“

„Schicken Sie dem Kunden diese Präsentation.“

„Nehmen Sie mich zum nächsten Kundentermin mit.“


Noch einmal: Nichts davon ist grundsätzlich falsch. Aber es ist nicht automatisch Coaching.


Coaching klingt anders:


„Was versucht der Kunde Ihrer Meinung nach wirklich zu erreichen?“

„Wo befindet sich der Kunde aktuell in seinem Entscheidungsprozess? Woran erkennen Sie das?“

„Welcher Stakeholder besitzt das eigentliche Problem?“

„Welcher Stakeholder kann den Nutzen unserer Lösung bestätigen und quantifizieren?“

„Was passiert, wenn der Kunde nichts unternimmt?“

„Was müsste passieren, damit der Kunde seinen bisherigen Ansatz verändert?“

„Was soll der Kunde nach dem Gespräch denken, fühlen oder entscheiden?“


Der Unterschied ist entscheidend. Ein Ratschlag liefert eine Antwort. Coaching entwickelt Urteilsvermögen. Ein guter Rat löst vielleicht das aktuelle Problem. Coaching verbessert die Fähigkeit eines Menschen, das nächste Problem selbst zu lösen. Genau das ist der entscheidende Führungswechsel.


Erst diagnostizieren, dann coachen: Die 4C Sales Coaching Diagnostic®

Einer der häufigsten Gründe, warum Sales Coaching scheitert, ist erstaunlich einfach: Es wird am falschen Problem gecoacht. Ein Verkäufer überspringt einen Schritt im Verkaufsprozess und der Vertriebsleiter schließt sofort auf ein Kompetenzproblem. Eine Opportunity kommt nicht voran und der Vertriebsleiter vermutet mangelnde Dringlichkeit. Die Nutzenargumentation überzeugt nicht und sofort wird am Pitch gefeilt. 


Manchmal ist diese Einschätzung richtig. Oft ist sie es nicht.


Bevor Sie die Leistungslücke coachen, sollten Sie ihre Ursache diagnostizieren.


Ein praxiserprobter Ansatz besteht darin, vier mögliche Ursachen für Leistungsprobleme zu unterscheiden: Clarity (Klarheit), Capability (Fähigkeit), Commitment (Verbindlichkeit) und Constraints (Rahmenbedingungen).


HCG’s 4C Sales Coaching Diagnostic®

Abbildung 1: HCG’s 4C Sales Coaching Diagnostic®


1. Clarity: Wissen die Mitarbeitenden, wie gute Leistung aussieht?

Manchmal liegt das Problem weder am Einsatz noch an den Fähigkeiten. Es fehlt schlicht an Wissen oder Verständnis.


Der Verkäufer versteht möglicherweise die Situation des Kunden, die Stakeholder-Landschaft, die Value-Logik, den Verkaufsprozess oder die nächsten sinnvollen Schritte noch nicht vollständig.


Das erkennen Sie beispielsweise daran, dass grundlegende Fragen gestellt werden, Unsicherheit über das weitere Vorgehen besteht oder der Kundennutzen nur schwer verständlich erklärt werden kann.


2. Capability: Können die Mitarbeitenden das Gewünschte auch wirksam umsetzen?

Manchmal weiß der Verkäufer genau, was zu tun wäre – schafft es aber noch nicht, dies konsequent und wirkungsvoll umzusetzen. Er weiß, dass er bessere Fragen stellen sollte. Trotzdem bleiben seine Fragen oberflächlich. Er weiß, dass er den geschäftlichen Nutzen stärker herausarbeiten sollte. Trotzdem bleibt seine Argumentation allgemein. Er weiß, dass er Preisverhandlungen anders führen sollte. Unter Druck greift er jedoch wieder zu Preisnachlässen. Sie erkennen dies beispielsweise an ausgelassenen Prozessschritten, schwacher Fragetechnik, mangelnder Priorisierung oder einer inkonsistenten Umsetzung. Wenn jemand weiß, wie gute Leistung aussieht, sie aber nicht zuverlässig zeigen kann, liegt eine Capability-Lücke vor. Dann helfen Übung, Feedback, Rollenspiele, gute Beispiele und Wiederholung. Ja, Wiederholung. Der glamouröseste Teil von Sales Excellence.


3. Commitment: Übernehmen die Mitarbeitenden ausreichend Verantwortung?

Manchmal verfügt ein Verkäufer sowohl über das notwendige Wissen als auch über die erforderlichen Fähigkeiten. Es fehlt jedoch an Verbindlichkeit. Aufgaben werden aufgeschoben. Schwierige Telefonate werden vermieden. Die einfachen Aufgaben werden erledigt, die wichtigen nicht. Im Coaching-Gespräch wird zwar zugestimmt, anschließend passiert jedoch wenig. Sie beobachten vielleicht Prokrastination, geringe Dringlichkeit, Ablenkung oder fehlende Eigenverantwortung. Hier geht es darum, Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern klar. Unterstützung ist wichtig. Verantwortungsübernahme ebenso.


4. Constraints: Was behindert den Fortschritt?

Manchmal liegt die eigentliche Ursache einer Leistungslücke gar nicht beim Verkäufer. Der Fortschritt wird durch Faktoren blockiert, die außerhalb seines direkten Einflussbereichs liegen, z.B. interne Abhängigkeiten, unklare Preisrichtlinien, umständliche Prozesse oder Systeme, fehlende technische Unterstützung oder Entscheidungen, die an anderer Stelle getroffen werden müssen. Sie erkennen dies daran, dass Opportunities trotz großer Anstrengungen nicht vorankommen, interne Hürden immer wieder auftreten oder der nächste Schritt nur mit Unterstützung anderer möglich ist. Wenn die Ursache in solchen Rahmenbedingungen liegt, besteht Ihre Aufgabe nicht darin, den Verkäufer mit einer weiteren Motivationsrede anzuspornen. Ihre Aufgabe besteht darin, Hindernisse im System zu beseitigen.


Warum die 4C Sales Coaching Diagnostic® so wichtig ist

Die 4C-Perspektive hilft Ihnen, einen der häufigsten Fehler im Vertriebsmanagement zu vermeiden: Jede Leistungslücke automatisch als Kompetenzlücke zu betrachten.


Doch genau das ist sie häufig nicht. Manche Leistungslücken brauchen mehr Klarheit. Andere brauchen Übung. Wieder andere benötigen Priorisierung und mehr Verantwortungsübernahme. Und manche lassen sich nur durch Unterstützung oder Eskalation lösen. Wenn Sie die Ursache falsch diagnostizieren, wird Ihr Coaching für beide Seiten frustrierend.


Sie wiederholen immer wieder dieselben Hinweise. Ihre Mitarbeitenden fühlen sich missverstanden. Und die Opportunity bewegt sich trotzdem nicht.


Und am Ende tun alle so, als wäre das CRM-Update der eigentliche Fortschritt gewesen. Bevor Sie einen Rat geben, stellen Sie sich deshalb folgende Fragen:


  • Handelt es sich um ein Clarity-Problem?

  • Handelt es sich um ein Capability-Problem?

  • Handelt es sich um ein Commitment-Problem?

  • Handelt es sich um ein Constraint-Problem?


Diese einfache diagnostische Denkweise verändert die Qualität Ihres Coachings. Sie wechseln vom Reagieren zum gezielten Entwickeln Ihrer Mitarbeitenden. Ihr Coaching wird präziser, fairer und wirksamer. Denn exzellentes Sales Coaching bedeutet nicht, möglichst schnell die richtige Antwort zu kennen. Es bedeutet, Ihren Mitarbeitenden dabei zu helfen zu verstehen, was sie wirklich daran hindert, bessere Ergebnisse zu erzielen.


Nutzen Sie die Coaching-Momente, die es bereits gibt

Sales Coaching muss kein aufwendiger Prozess sein. Wenn Coaching zu bürokratisch wird, werden Sie es vermeiden – und Ihr Team wird es als zusätzliche Belastung empfinden. Das beste Coaching ist praxisnah, regelmäßig und eng mit der täglichen Arbeit verbunden. Die Coaching-Momente sind bereits da. Die entscheidende Frage ist: Nutzen Sie sie konsequent?


Zum Beispiel:


1. Vor dem Kundengespräch

2. Während Opportunity Reviews

3. Nach Kundengesprächen

4. Bei der Entwicklung von Vertriebskompetenzen

5. In Performance-Gesprächen

 

Ihre Aufgabe ist nicht, genauer zu kontrollieren. Ihre Aufgabe ist es, herauszufinden, was sich verändern muss.


Wissen, wann Sie eingreifen sollten – und wann nicht

Eine der schwierigsten Aufgaben im Vertriebsmanagement ist Zurückhaltung. Sie erkennen den Fehler, bevor Ihr Verkäufer ihn erkennt. Sie kennen die bessere Frage. Sie spüren, dass ein Deal aus dem Ruder läuft. Und Sie möchten sofort eingreifen. Manchmal sollten Sie das auch. Es gibt Situationen, in denen der Kundennutzen, das geschäftliche Risiko, die strategische Bedeutung einer Opportunity oder der richtige Zeitpunkt Ihr direktes Eingreifen erfordern.


Coaching ist keine Ausrede für passive Führung. Wenn jedoch jede schwierige Situation zu Ihrer persönlichen Rettungsmission wird, entwickelt Ihr Team niemals die Fähigkeiten, die es langfristig braucht.


Bevor Sie eingreifen, stellen Sie sich deshalb folgende Fragen:


  • Ist das ein Moment, in dem ich eingreifen muss – oder eine Chance, jemanden weiterzuentwickeln?

  • Welche Verantwortung kann der Verkäufer weiterhin selbst übernehmen?

  • Welche Frage würde ihm helfen, das eigentliche Problem selbst zu erkennen?

  • Welche Unterstützung braucht er, ohne dass ich ihm die Verantwortung abnehme?

  • Wie schützen wir die Kundenbeziehung und entwickeln gleichzeitig die Fähigkeiten unseres Teams weiter?


Das ist keine weiche Führung. Das ist disziplinierte Führung. Sie entscheidet darüber, ob Sie nur einen einzelnen Auftrag retten oder die Art und Weise verbessern, wie Ihr Team verkauft.


Coachen Sie Top-Performer, ohne sie auszubremsen

Top-Performer möchten kein Standard-Coaching.


Sie möchten nicht wie Einsteiger behandelt werden. Sie möchten keine theoretischen Modelle von jemandem hören, der sich ihr Vertrauen noch nicht verdient hat. Und sie möchten ganz sicher kein Coaching, das sich wie administrative Kontrolle mit aufgesetztem Coaching-Etikett anfühlt.


Also coachen Sie sie auch nicht so.


Stellen Sie stattdessen Fragen auf einem höheren Niveau:


  • Wie können wir diesen Account über die aktuelle Opportunity hinaus weiterentwickeln?

  • Welche Beziehungen auf Executive-Ebene sollten wir gezielt ausbauen?

  • Wo können wir noch mehr strategischen Mehrwert schaffen?

  • Welche Erfolgsstrategien von Ihnen lassen sich auf andere Teammitglieder übertragen?

  • Welche Abschlüsse erzielen Sie heute noch durch persönlichen Einsatz, die künftig durch bessere Prozesse und Disziplin erreichbar wären?

  • Wie können Sie nicht nur Ihre eigene Leistung steigern, sondern das gesamte Team besser machen?


Top-Performer sollten nicht einfach in Ruhe gelassen werden, nur weil sie gute Ergebnisse erzielen.


Sie sollten gezielt weiterentwickelt werden, weil sie das größte Potenzial haben, die Leistungsfähigkeit der gesamten Vertriebsorganisation zu erhöhen.


Coachen Sie leistungsschwächere Mitarbeitende, ohne ihnen die Arbeit abzunehmen

Leistungsschwächere Mitarbeitende brauchen Klarheit, Struktur und ehrliches Feedback. Sie brauchen aber ebenso Eigenverantwortung. Ein häufiger Fehler besteht darin, entweder schwierige Gespräche zu vermeiden oder so viel Unterstützung zu geben, dass man die Arbeit am Ende selbst übernimmt. Beides funktioniert nicht.


Gutes Coaching ist direkt und gleichzeitig unterstützend:


  • Definieren Sie die konkrete Leistungslücke.

  • Identifizieren Sie die Verhaltensweisen, die zu dieser Lücke führen.

  • Vereinbaren Sie wenige, klar priorisierte Verbesserungsziele.

  • Üben Sie die erforderlichen Fähigkeiten gemeinsam.

  • Überprüfen Sie den Fortschritt regelmäßig.

  • Fordern Sie konsequent Verantwortung für die vereinbarten Maßnahmen ein.


Unterstützung ohne Verantwortungsübernahme schafft Abhängigkeit. Verantwortung ohne Unterstützung erzeugt Angst. Ihre Aufgabe besteht darin, beides miteinander zu verbinden. 


Machen Sie Coaching zu einem festen Bestandteil Ihres Führungsalltags

Wenn Coaching nur dann stattfindet, wenn eine Krise entsteht, coachen Sie nicht. Sie reagieren. Coaching braucht Rhythmus. Das bedeutet nicht endlose Meetings. Es bedeutet, Coaching in die Arbeitsweise Ihres Teams zu integrieren. Nutzen Sie kurze, regelmäßige Coaching-Gespräche. Es geht nicht darum, noch mehr Kommunikation in eine ohnehin überladene Vertriebsorganisation zu bringen. Davon gibt es bereits genug. Es geht darum, die Qualität der Gespräche zu verbessern, die Sie ohnehin bereits führen. Wenn Ihre One-to-Ones nur aus Status-Updates bestehen, verschenken Sie Potenzial. Wenn Opportunity Reviews ausschließlich der Forecast-Kontrolle dienen, verschenken Sie Potenzial. Wenn Teammeetings lediglich Informationen weitergeben, verschenken Sie Potenzial.


Jede Interaktion verstärkt entweder Abhängigkeit oder entwickelt Fähigkeiten. Viel Raum dazwischen gibt es nicht.


Die wichtigste Frage lautet nicht: „Wie helfe ich meinem Team, diesen Auftrag zu gewinnen?“


Kurzfristig kann das die richtige Frage sein. Langfristig reicht sie nicht aus. Die bessere Frage lautet: „Wie helfe ich meinem Team dabei, Kunden immer besser dabei zu unterstützen, echten Mehrwert zu schaffen – Abschluss für Abschluss?“


Das ist der eigentliche Maßstab. Er macht aus einem Experten einen Multiplikator. Aus einem Problemlöser einen Entwickler.


Aus einem Pipeline-Kontrolleur einen Performance Coach.


Aus einem Abschlusshelden einen Teamentwickler.


Und genau dieser Wandel ist im Value-Based Selling keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Ihr Team braucht Sie nicht als Antwort auf jede Frage.


Es braucht Sie als Führungskraft, die Menschen dabei unterstützt, selbst bessere Antworten zu entwickeln. Denn wenn Sie immer die Antwort sind, sind Sie Teil des Problems.





 
 
 

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